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Osterpredigt

Ostern – Zukunftsanker in der Zeit

„Welchen Sinn hat es eigentlich, dass wir Ostern feiern?“, hat mich neulich jemand gefragt.
„Es ändert sich ja nichts – Terror, Kriege und Gewalt, Unrecht und Leid gehen weiter!“

Das ist in meinen Augen eine sehr wichtige Frage. In der Tat bleibt die Welt an Ostern wie sie ist – jedenfalls, wenn ich auf das schaue, was ich selbst erlebe und in den Nachrichten höre und sehe. Vieles in der Welt sieht mehr nach Karfreitag als nach Ostern aus – nach Finsternis, Tod und Trauer.

In der letzten Zeit spüren wir wieder mehr, dass wir unser Leben nicht selbst in der Hand haben. In Zeiten vielfacher Krisen haben wir Grund zur Sorge – Sorge um die Erde als Lebensraum für unsere Kinder und Enkel, Sorge um die freiheitlich-demokratische Grundordnung als Fundament unseres Zusammenlebens, Sorge um die Sicherheit unseres Landes. Angesichts steigender Preise haben viele Menschen auch Sorge um ihr künftiges Auskommen.

An all dem ändert Ostern nichts. Und doch ändert sich etwas sehr Wichtiges. Daran habe ich vor kurzem gedacht, als ich im Urlaub Tauchen war. Wenn ich vom Boot aus tauche, dann sehe ich unten am Meeresgrund den Anker des Tauchbootes und die Ankerkette, die zum Boot hinaufführt. Wenn ich nach oben schaue, sehe ich an der Wasseroberfläche die Unterseite des Bootes. Noch bin ich nicht dort – doch am Ende meines Tauchgangs werde ich dorthin zurückkehren.

Was Ostern für mich bedeutet, lässt sich mit diesem Bild des Ankers gut beschreiben: Für mich ist Ostern der Anker der Zukunft Gottes mitten in der Zeit. An Ostern verankert Gott das Schiff seiner Zukunft auf dem Boden unserer Gegenwart.

Wohl spüren wir in der Zeit dieser Welt die Macht des Todes und aller Todesmächte noch schmerzlich. Doch im Licht des Ostermorgens dürfen wir auf Gottes Zukunft blicken wie vom Meeresgrund aus auf das Boot an der Wasseroberfläche. Denn mit der Auferstehung Jesu Christi begrenzt Gott den Tod und alle Todesmächte. Sie werden nicht das letzte Wort haben. „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ So lesen wir im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung des Sehers Johannes (Offenbarung 21,4). Noch sind wir nicht in Gottes Zukunft. Noch ist Gottes Zukunft nicht vollendet. Aber das Leid dieser Welt wird nicht das letzte Wort haben. Das letzte Wort wird Gott haben.

So leuchtet Ostern mitten in der Dunkelheit dieser Welt der Anker der Zukunft Gottes in unserer Gegenwart auf. Ostern ist der Grund meiner Hoffnung auf dem Boden dieser Welt. Grund zu feiern.

Ihnen und Ihren Lieben wünschen wir frohe und gesegnete Osten!

Für die Ev. Kirchengemeinde Krefeld-Süd

Ihre Pfarrerin Christine Grünhoff