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Liebe an der Wahlurne

Am kommenden Sonntag sind Europawahlen. Manches, was im Wahlkampf geschehen ist, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Erschüttert haben mich Angriffe auf Kandidat*innen und Wahlkampfhelfer*innen, die verletzt oder beleidigt worden sind.

Am Sonntag haben wir es in der Hand, zu diesen (und anderen) Ereignissen in unserem Land und in Europa Stellung zu nehmen. Und vor allem haben wir die Chance, für Europa und damit auch für unser Land wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen! Unter dem Hashtag „#WirSindDieBrandmauer“ hat in unserer Stadt ein breites Bündnis aus Parteien, Kirchen, Vereinen, Einrichtungen und Unternehmen aufgerufen, für Freiheit, Vielfalt und Solidarität in Europa zu stimmen.

Freiheit, Vielfalt, Solidarität – und ich möchte hinzufügen: Toleranz und Respekt. Das sind wichtige Werte und Grundpfeiler unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Sie werden von vielen Menschen geteilt und in unsere Gesellschaft getragen – ganz unabhängig davon, ob diese Menschen sich selbst als religiös verstehen oder nicht. Für Christ*innen schwingt in diesen Werten das mit, was die Bibel als „Nächstenliebe“ bezeichnet. Denn „Nächstenliebe“ ist ja kein Gefühl, sondern eine Haltung: Ich soll mit meinen Mitmenschen – und übrigens auch mit mir selber – so umgehen, wie ein Sohn oder eine Tochter Gottes das verdient: mit Solidarität, Respekt und Toleranz. Diese Haltung verbindet – wie Jesus mit seiner Erzählung vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25-37) verdeutlicht – Menschen verschiedenen Glaubens und aus verschiedenen Ländern und Kulturen miteinander.

Wie wollen wir in Europa und Deutschland miteinander leben? Lassen Sie uns am Sonntag auf diese Frage eine Antwort geben – mit einem Kreuz auf dem Wahlzettel. Mit unserer Stimme für Freiheit, Vielfalt, Solidarität, Respekt und Toleranz. In diesem Sinne: Jede*r bitte ein Kreuz! Oder, dem Motto entsprechend, das Christ*innen für 2024 als Jahreslosung zur Orientierung mit auf den Weg gegeben ist. „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ (1. Korinther 16.14). Auch das Wählen. Ich bin überzeugt davon, dass nicht nur Einzelne, sondern wir als Gesellschaft insgesamt von dieser Liebe an der Wahlurne profitieren.

PFARRERIN CHRISTINE GRÜNHOFF Gedanken zum Tag

in der RP am Freitag den 7.6.24