Fokus auf Rettung der Walcker-Orgel und Zukunft der Markuskirche
Das jetzt vorliegende Gutachten zur Lutherkirche bringt für die Evangelische
Kirchengemeinde Krefeld-Süd eine schmerzliche, aber notwendige Klarheit: Es
beziffert die Kosten der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen auf 27 Millionen
Euro. Bei Sperrung der Lutherkirche im August 2024 war auf Grundlage der
damals bekannten Schäden von einem Sanierungsbedarf im mittleren einstelligen
Millionenbereich ausgegangen worden. Damit übersteigen die Kosten die
bisherigen Annahmen um ein Vielfaches und liegen weit außerhalb der finanziellen
Möglichkeiten der Kirchengemeinde.
Das Ingenieurbüro Dr. Brauer aus Dormagen hat die Lutherkirche umfassend
untersucht und die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung der Statik sowie zur
dauerhaften Erhaltung der Bausubstanz bewertet. Dabei wurden unter anderem
Schäden an der Dachkonstruktion, erhebliche Rissbildungen im Mauerwerk,
Probleme an Natursteinverankerungen sowie weitere bauliche Mängel betrachtet.
Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass zur statischen Sicherung des
Gebäudes umfangreiche Arbeiten notwendig wären. Die finanziellen Mittel, die
der Kirchengemeinde derzeit für Investitionen zur Verfügung stehen, decken
lediglich etwa ein Zehntel der für die Sanierung erforderlichen Summe ab.
„Das Gutachten macht deutlich, dass wir vor einer Realität stehen, der wir uns
stellen müssen“, erklärt Christine Grünhoff, Pfarrerin und
Presbyteriumsvorsitzende der Evangelischen Kirchengemeinde Krefeld-Süd. Für
den Publikumsverkehr bleibt die Lutherkirche gesperrt. „Nach Einschätzung der
Gutachter bestehen derzeit keine verantwortbaren Szenarien für eine temporäre
oder gelegentliche Nutzung“, erklärt Grünhoff weiter. Aufgrund der komplexen
statischen Situation und bauzeitbedingt nicht bekannter Berechnungsgrundlagen
sei eine Öffnung des Gebäudes nicht vertretbar.
Gleichzeitig stellen die Gutachter fest, dass notwendige Begehungen zu Wartungs-
und Untersuchungszwecken sowie Arbeiten an der Orgel nach aktuellem
Kenntnisstand weiterhin verantwortbar durchgeführt werden können.
Regelmäßige Kontrollen des Bauwerks bleiben jedoch erforderlich.
Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick der Gemeinde nun auf die Sicherung
der wertvollen Walcker-Orgel in der Lutherkirche. Ziel ist es, einen neuen
Eigentümer zu finden, um das Instrument für die Zukunft zu bewahren. Zum
Schutz des Instruments vor Feuchtigkeitsschäden wird die Kirche Im
Winterhalbjahr beheizt und auf einer Temperatur von ca. 13 Grad gehalten.
Welche konkreten Schritte darüber hinaus notwendig werden, soll gemeinsam mit
dem Förderverein der Orgel, dem Kreiskantorat des Kirchenkreises und den
Denkmalbehörden in den kommenden Monaten geprüft werden.
Zugleich konzentriert die Kirchengemeinde ihre Kräfte auf den Erhalt der
Markuskirche und des angrenzenden Gemeindezentrums. Auch dort stehen in den
kommenden Jahren umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen
an, deren Kosten mit ca. 3 Millionen Euro beziffert werden. Die vorhandenen
finanziellen Mittel sollen gezielt dort eingesetzt werden, wo auch künftig ein
lebendiger Mittelpunkt des Gemeindelebens gesichert werden kann.
„Die Lutherkirche hat Generationen von Menschen geprägt. Sie ist ein bedeuten-
der Teil der Geschichte unserer Gemeinde und unserer Stadt. Umso schwerer fällt
es, die Ergebnisse des Gutachtens zur Kenntnis zu nehmen. Gleichzeitig müssen
wir verantwortungsvoll mit den uns anvertrauten Mitteln umgehen und
Entscheidungen treffen, die die Zukunft unserer Gemeinde langfristig sichern.“
Das Gutachten zur Lutherkirche kann auf Anfrage bei Pfarrerin Grünhoff (E-Mail:
christine.gruenhoff@ekir.de) im Gemeindebüro eingesehen werden. Auf Grund-
lage der Ergebnisse werden die nächsten Schritte nun in enger Abstimmung mit
den zuständigen Bau- und Denkmalbehörden der Stadt entwickelt und beraten.
Hintergrund Lutherkirche und Walcker-Orgel
Die im Jahr 1904 errichtete Lutherkirche am Krefelder Lutherplatz wurde im
August 2024 aufgrund gravierender Schäden am Dachstuhl baubedingt gesperrt.
Im März 2025 beschloss das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde
Krefeld-Süd, aufgrund der befürchteten Kosten von ca. 4 bis 6 Millionen Euro von
einer Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes abzusehen und das Objekt
stattdessen zum Verkauf anzubieten. Alle Bemühungen, das Gebäude zu
verkaufen, blieben bis heute ohne Erfolg.
Gleichfalls unter Denkmalschutz steht die historische Orgel der Kirche (Opus
1112), die im Einweihungsjahr 1904 von der renommierten Orgelbauanstalt E. F.
Walcker & Cie. gefertigt wurde. Das spätromantische Instrument wurde in den
Jahren 2009 und 2010 für rund 210.000 Euro durch die Orgelwerkstatt Christian
Scheffler umfassend restauriert und in seinen Originalzustand zurückversetzt. Der
im April 2002 gegründete „Förderverein Walcker-Orgel Lutherkirche Krefeld e.V.“
mit seinem Vorsitzenden Prof. Dr. Karlheinz Schüffler finanzierte
diese Maßnahme etwa zur Hälfte aus Spendengeldern.
Krefeld, 05.06.2026
Ihre Evangelische Kirchengemeinde Krefeld-Süd






